17. Oktober 2018

"Bei ti&m hatte ich einfach ein gutes Bauchgefühl"

Elisaveta Kondratieva

Elisaveta Kondratieva ist seit Juni 2018 bei ti&m als Business Analyst tätig. Sie kam von der Grossbank CS zu uns. Im Gespräch erklärt sie, was ein Business Analyst eigentlich macht und welche Vorteile es bringt, als Frau IT zu studieren.

Frauen sind in der IT immer noch selten anzutreffen. Warum hast Du Dich für die IT entschieden?

Elisaveta Kondratieva: In der Schule mochte ich immer gerne wissenschaftliche Fächer wie Mathematik, Physik und Biologie. Daher wusste ich schon früh, dass ich etwas in diese Richtung machen will. Im Gymnasium habe ich den Entschluss gefasst, zur EPFL zu gehen. Am meisten hat mich dabei der Bereich Kommunikationssysteme überzeugt. Dieser ist irgendwo zwischen Mathematik und Informatik angesiedelt. Das Programmieren steht dabei nicht ganz so im Mittelpunkt wie bei anderen IT-Studiengängen.

Bei meinem geisteswissenschaftlichen Studium waren 70 Prozent Frauen und nur 30 Prozent Männer. In der IT sind Frauen dagegen eine kleine Minderheit. Wie war es, eine Frau unter so vielen jungen Männern zu sein?

Es war an sich nie ein Problem, aber schon sehr interessant. Der Frauenanteil lag bei ungefähr 10 Prozent. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es hilft, Frau zu sein, wenn man Leute kennenlernen möchte. Da es nur so wenige Frauen gibt, sind dein Name und Gesicht sehr schnell bekannt. Alle kennen dich, aber du kennst nicht alle. Da es so wenige Frauen gibt, ist die Beziehung zwischen den Frauen auch sehr eng. Es gibt eine Art Teamgefühl zwischen den Frauen und wir hatten eine gute Kollegengruppe zusammen.

Stimmt das Gerücht, dass in der IT viele introvertierte Männer anzutreffen sind?

Es gibt auch viele junge Männer, die etwas Angst vor Frauen haben. Natürlich sind nicht alle so, aber ich würde schon sagen, dass der Anteil bei 50 Prozent liegt. (lacht)

Wie ist es, als Frau in der IT zu arbeiten?

Frauen in der IT sind schon wichtig, denn wir bringen auch eine andere Sicht auf die Dinge ein. Ich sehe auch langsame Veränderungen. Ich freue mich zum Beispiel, dass wir vergleichsweise viele Entwicklerinnen hier haben. Persönlich habe ich in der IT nie Probleme mit Männern gehabt. Die IT-Umwelt passt sich meiner Erfahrung nach langsam an.

Wo siehst Du das grösste Verbesserungspotenzial, um mehr Frauen für IT-Berufe zu begeistern?

Ich bin der Meinung, dass die Werbung für IT-Berufe schon viel früher in der Schule anfangen müsste. Das Interesse sollte nicht erst im Gymi geweckt werden, dann ist es zumeist schon zu spät.

Was genau hast Du studiert?

In meinem Hauptfach ging es um digitale Kommunikationssysteme. Der Begriff ist schon etwas verwirrend, was das Beispiel einer meiner Kolleginnen zeigt: Sie wollte eigentlich Kommunikation zwischen Menschen studieren und nicht IT. Aber am Ende hat sie doch ihren Masterabschluss gemacht. (lacht)

Frauen müssen schon viel früher für ICT-Berufe begeistert werden.

Was hat Dir am Studium am meisten Spass gemacht?

Dies war sehr abhängig vom Kurs. Im Master hat mir eigentlich alles Spass gemacht, denn es ging sehr stark in die technischen Details. Bei den Managementkursen ging es vor allem um Präsentationen, was ich auch super fand. Denn es bereitete mich auf den Arbeitsalltag vor. Richtig Präsentieren ist zentral für meinen Job.

Bei Präsentationen ist Powerpoint noch das beliebteste Tool. Ich bin kein grosser Freund davon, wie stehst Du dazu?

Ich habe Powerpoint gerne, wenn die Präsentation gut gemacht ist. Inhalte wie Statistiken und Reportings passen aber einfach nicht zum Medium. Eine Powerpoint sollte klare Slides haben und nur die wichtigsten Inhalte vermitteln.

Wie viele Prozent sind demnach gute Powerpoints?

Vielleicht 2-3 Prozent. (lacht)

Während Deines Studiums hast Du ein Praktikum bei Philipp Morris gemacht. Wie kam es dazu?

Einfach gesagt war die Nähe zu meinen Eltern ein wichtiger Grund. Sie wohnen in Neuenburg nicht weit entfernt und für mich war es in den Sommerferien leicht, dort hinzukommen. Ich habe auch nicht mit Zigaretten gearbeitet, sondern in der Forschungsabteilung. Ich beschäftigte mich dabei mit neuen Produkten wie E-Zigaretten und habe Modellierungen und Simulationen dazu gemacht.

Bereust Du das Praktikum?

Nein, eigentlich nicht. Die Erfahrung war schon spannend. Ausserdem habe ich nach dem Praktikum meine Masterarbeit bei der Gesundheitsfirma Bio-Rad Laboratories gemacht, sozusagen auf der anderen Seite.

Danach hast Du den grossen Schritt über den Röstigraben gemacht. Warum?

Am Ende meiner Masterarbeit habe ich ein Angebot für das Traineeprogramm "Career Start" bei der CS bekommen und zugesagt. Eigentlich wollte ich auch nach Zürich kommen, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Leider wurde es mit dem Verbessern meiner Deutschkenntnisse nichts. In meinem Team waren fast nur englischsprachige Personen.

Wie ist es, in einer solchen grossen Firma zu arbeiten?

Als Mitarbeiter in einer Bank bist du eigentlich nur eine User-ID. Auch sind es oft sehr grosse Projekte, die dort laufen. Und das Wasserfallvorgehen ist immer noch das Mass aller Dinge. Ich selber habe zwar in einem agilen Projekt mit einem tollen Team gearbeitet, aber unser Projekt war nur ein sehr kleiner Teil eines grossen Wasserfalls.

Und wie hast Du den Weg zu ti&m gefunden?

Nach ein paar Jahren wollte ich in eine kleinere und auch persönlichere Firma wechseln. Auch sollte es eine Technologiefirma sein und ich wollte auch auf Deutsch arbeiten.

Was hat für Dich den Ausschlag gegeben, hier anzufangen?

Ich hatte hier einfach ein gutes Bauchgefühl. Die Leute sind offen und es gibt auch viele Events. Wenn Du im Büro bist, dann kannst Du mit allen reden, und das finde ich wirklich cool.

Ich muss die Anforderungen der Kunden im Business aufnehmen und sie für die Entwickler verständlich übersetzen.

Du bist jetzt vier Monate bei ti&m. Wie bist Du gestartet?

Ich bin sehr schnell reingekommen. Schon nach weniger als einer Woche war ich das erste Mal beim Kunden und konnte mich einbringen. Ich mag es nicht, lange zu warten und bin gerne aktiv.

Du arbeitest als Business Analyst. Was macht man da eigentlich?

Analyse vom Business trifft es eigentlich nicht, dies ist nur ein sehr kleiner Teil. Die Bezeichnung Requirements Engineer trifft es eigentlich besser. Ich muss die Anforderungen der Kunden im Business aufnehmen und sie für die Entwickler verständlich übersetzen. Bei vielen Projekten kann man am Anfang noch nicht wissen, was am Ende herauskommt. Ich muss auf diesem Weg immer im Auge behalten, dass die Anforderungen der Kunden bestmöglich erfüllt werden. Dabei muss ich auch darauf achten, dass die Anforderungen für die Entwickler richtig formuliert sind. Wie sie es umsetzten, ist dann ihnen überlassen.

Du musst also die Business-Sprache in Entwicklersprache übersetzen und umgekehrt?

So ist es. Die Entwickler sprechen schon ein bisschen anders als die Businessleute. Meine Aufgabe ist es auch, das Leben der Entwickler einfacher zu machen.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf aus?

Das kann man eigentlich nicht sagen. Jeder Tag ist unterschiedlich und das ist auch gut so. Ich könnte auch nicht jeden Tag das Gleiche machen.

Mit welchen Themen setzt Du dich aktuell auseinander?

Ich arbeite an einem Projekt mit einer Bank, um eine Art Task-Manager für die Kundenberater zu bauen. Ganz neu habe ich zudem ein Projekt mit einem grossen Schweizer Detailhändler begonnen. Wir arbeiten an einer App für das Unternehmen, mehr darf ich momentan noch nicht sagen.

Ballett ist für mich der beste Ausgleich.

Was machst Du nach der Arbeit zum Ausgleich?

Ich bin gerade dabei, segeln zu lernen. Nächstes Jahr will ich die Segelprüfung hier auf dem Zürichsee machen. Ausserdem fahre ich im Winter gerne Snowboard. Seit meiner Kindheit mache ich Ballett.  Hier kommen meine russischen Wurzeln zum Vorschein. Für mich ist Ballett wie Meditation. Ich habe es gerne, weil es zumeist nur einen richtigen Weg gibt, etwas zu machen. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zur Arbeit in der IT, wo es sehr viele Wege zum Ziel gibt. Richtig und falsch sind im Ballett einfach zu sehen. Diese Binarität ist entspannend. Man sollte auch nicht vergessen, dass es ein anstrengender Sport ist.

Auf Deinem LinkedIn-Profil folgst Du Bill Gates. Warum gerade er und was fasziniert Dich an ihm?

Ich glaube, er ist eine Person, die eine Vision für die Welt hat und versucht, die Welt besser zu machen. Er hat nicht nur eine Vision für seine Produkte wie etwa Steve Jobs. Wenn ich eine weitere Person nennen sollte, die mich fasziniert, dann ist es Elon Musk. Er verfolgt eine Vision und er möchte der Welt die Zukunft bringen. Dies sind Dinge, die mich begeistern.

Was sind Deine nächsten Pläne?

Ich möchte mich in Richtung Projektleitung weiterentwickeln und auch ein paar Weiterbildungen dazu machen. Mein Ziel ist es, ständig etwas Neues zu lernen. Auch möchte ich in Projekten arbeiten, welche sich mit neuen Technologien beschäftigen. Beispielsweise IoT oder künstliche Intelligenz.


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Christoph Grau

Christoph Grau ist seit September 2018 bei ti&m tätig und verantwortet die Medienarbeit. Davor arbeitete er mehr als vier Jahre als Redaktor und später als stellvertretender Chefredaktor bei einem grossen Schweizer IT-Fachmagazin. Er studierte Chinawissenschaften und Geschichte an der Freien Universität Berlin.

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